"Augen auf" für die Brillen-Designerin Charlie Ingham

"Augen auf" für die Brillen-Designerin Charlie Ingham

Fünf Arbeitsschritte sind nötig, um zu einer maßgefertigten Brille zu kommen, wie sie das Unternehmen von Charlie Ingham herstellt. Die Designerin vermisst jeden Millimeter des Gesichts ihres Kunden mit einer ganzen Reihe an Linealen und Messgeräten. Spätestens dann dürfte der Kunde erkennen, dass er sich in einer sehr ernstzunehmenden Branche befindet.

Charlie Ingham wurde in England geboren und wuchs in Belgien auf. Sie beschäftigte sich bereits mit Kunstgeschichte, brasilianischem Kino und Modefilmen – eine wahre Weltbürgerin. Frei von Verpflichtungen entschied sie sich dafür, sich im Londoner West End niederzulassen. Dort hat sie ihr sehr diskretes “Büro”, in dem sie ihre Kunden ausschließlich zum Gespräch unter vier Augen trifft.

“Ende Zwanzig habe ich angefangen, am Wochenende für eine bekannte Brillen-Marke zu arbeiten, einen der besten Optiker in Großbritannien. Einer der Gründer nahm mich unter seine Fittiche und fragte mich schnell, ob ich den ehrwürdigen Laden der Marke führen möchte. Es war großartig, in diesem zarten Alter diese Möglichkeit zu bekommen. Also habe ich meine Stelle im brasilianischen Filmgeschäft gekündigt und wurde eine Art Spezialistin für klassische Brillengestelle”, erinnert sich Ingham.

Zudem wurde sie eine kompetente Sammlerin – immer auf der Suche nach Modellen aus der Vergangenheit. Diese findet sie auf dem Pariser Markt und an geheimen Orten, die sie nicht nennen möchte. “Manche in der Brillenindustrie würden mich dafür umbringen, wenn ich das verriete”, sagt sie mit einem Lächeln.

Als drei hauptsächliche Inspirationsquellen hinter ihrem eigenen Design nennt Ingham Brillengestelle von Philippe Chevalier, der österreichischen Marke Silhoutte und Entwürfe von Pierre Marly. Die weiteren sind auf ihrem Instagram-Account @soho_bespoke zu finden. Dort präsentiert sie vor allem Schwarz-Weiß-Bilder von Kultfiguren, die tatsächlich die Original-Brillen tragen.

“Alle Brillen von SohoBespoke werden im Vereinigten Königreich handgefertigt. Brillengestelle zu entwickeln, ist eine wunderbare Kunst, es ist im Grunde eine aussterbende Kunst. Früher war es eines der Handwerke, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden, aber so ist es heute nicht mehr. Als der National Health Service, das staatliche Gesundheitssystem in Großbritannien und Nordirland, nach dem Zweiten Weltkrieg eingeführt wurde, ist die Nachfrage nach Brillen mit einem Mal stark angestiegen, und die Hersteller in England kamen nicht hinterher. Sie haben ihre Produktion nach Italien und Frankreich verlagert. Heute gibt es nur noch ein paar Fabriken, die übrig geblieben sind, und vielleicht drei Leute um die Siebzig, die Brillen in Handarbeit herstellen können. Ich versuche gerade, mehr dieser Hersteller zu finden”, erklärt sie.

Mit einem ihrer Hersteller hat sie diesen Imagefilm erstellt:

SohoBespoke – Marcel from SohoBespoke on Vimeo.

In ihrer Laufbahn hat Ingham Brillengestelle für bekannte Marken wie Oliver Goldsmith, Claire Goldsmith, Roland Mouret, McQueen erstellt. Dabei bemerkte sie aber schnell: “Wenn man Optik-Kollektionen für Marken entwickelt, dann erstellt man ein Design für eine durchschnittliche Gesichtsform. Jeder Mensch hat aber völlig andere Gesichtskonturen. Diese Brillen für das ‚Durchschnittsgesicht‘ passen zwar, aber nicht richtig. Sie sind nicht perfekt.”

Perfektion ist ein Mantra für die Designerin: “Mein großes Ziel ist es, Menschen glücklich zu machen, wenn sie morgens aufwachen und ihre Brille aufsetzen. Und dass Sir Elton John einer meinen Kunden wird!” fügt sie hinzu.

Mehr über SohoBespoke erfahren Sie auf Charlie Inghams Webseite. Und um ihre Lieblingsadressen in London und Paris zu entdecken, nutzen Sie ihren Stadtführer.